Pressemitteilung

Droht in Hochheim Pflegenotstand?

Die Hochheimer Senioren-Union hatte in das EVIM-Seniorenzentrum zu einer gut besuchten Informations- und Diskussionsveranstaltung eingeladen.
Georg Michel Vorsitzender der örtlichen Senioren-Union erläuterte die Situation der stationären Pflege in Hochheim und im Main-Taunus-Kreis.

Wie Michel an Hand des Altenpflegeplans 2017 des MTK erläuterte liegt der Anteil der über 64jährigen in Hochheim 7,4% höher als im Durchschnitt des Kreises.
Der Anteil der Altersgruppe 65 bis 79 Jahre lag zum 31.12.2015 bei 16,9% der Hochheimer Einwohner, dies ist der zweithöchste Anteil im MTK. In der Altersgruppe über 80jährigren mit 6,2% ist der Anteil 12,3% höher als der Kreisdurchschnitt. In absoluten Zahlen lebten in Hochheim zum 31.12.2017 4234 Mitbürger über 64 Jahre das entspricht in etwa einem Anteil von ca.
25% der Einwohner von Hochheim. Im Jahre 2000, also in etwa dem der Errichtung des EVIM-Seniorenzentrums betrug der Anteil der über 64 jährigen an der Einwohnerzahl Hochheims 16,5% oder in absoluten Zahlen 2779 Personen.
Dieses Zahlenmaterial, fast eine Verdoppelung, war Anlass zu fragen, wie ist es um die stationäre, ambulante und teilstationäre Pflege in Hochheim besonders nach dem Rückzug des Antoniushauses bestellt.
Wie die Einrichtungsleiterin Frau Gabriele Berndt-Satourius erläuterte hat das Seniorenzentrum die Anzahl der Plätze leicht erhöht. So dass man immer eine Möglichkeit zu finden sucht in dringenden Fällen zu helfen. Das größte Problem aber ist das Finden von qualifizierten Pflegekräften für die Einrichtungen. Es sei nicht unbedingt die Besoldung sondern die mangelnde
Wertschätzung für den Beruf und auch die Stresssituation für die Mitarbeiter da der Pflegekraftschlüssel zu gering ist.
In einer hochinteressanten Power Point Präsentation hat die Referentin für Pflege der EVIM-Altenpflege Ilka Müller verdeutlicht wieviel Zeit den Pflegekräften für jeden Bewohner pro Tag zur Verfügung steht, gerade einmal 37,5 Minuten. Eine Pflegekraft hat in einer zwölfstündigen Schicht 11,7 Bewohner zu versorgen und betreuen. Hier besteht kaum Zeit für eine persönliche Zuwendung.
Auf Grund dieses Dilemmas hat sich EVIM dazu entschlossen keine Menschen mit aggressivem Demenzverhalten mehr aufzunehmen. Dies bedeutet den Wegfall von sechs Plätzen im „ Beschützten Bereich“. Dies geschah zur Sicherheit der betroffenen Bewohner aber auch zur Sicherheit der Pflegekräfte.
In der sich anschließenden Diskussion fragten Zuhörer was tut die Politik im Bereich der Pflege? Warum ist es in anderen Bundesländern besser? Die Frage nach der Anzahl der Pfleger pro Einrichtung bestimmt nicht die Politik sondern die Pflegekassen als Kostenträger und die Leistungserbringer die in einem Pflegerat zusammenarbeiten.
Auf die Frage was der Main-Taunus-Kreis in Sache Pflege einbringt erläuterte Petra Dorn Kreistagsabgeordnete, die Pflegeplatzbörse im Internet ist schon mal eine erste Hilfe, wo kann ich einen Pflegeplatz bekommen. Der Main-Taunus-Kreis unterstützt mit Investitionszuschüssen den Bau von Pflegeeinrichtungen. Sowie mit Beratungsstellen die dabei helfen ambulante Pflege zu vermitteln, dass Menschen länger zu Hause leben können. Frau Müller sieht einen Trend zur ambulanten Pflege, da die Betroffenen länger in ihrem häuslichen Umfeld leben möchten. Die Menschen kommen heute weit aus später in die stationäre Pflege wie früher. Aus Sicht der Senioren-Union ergibt sich das aus der Tatsache, dass das Seniorenzentrum mit seinen 64 Plätzen sich nicht erweitert hat, aber die Anzahl der Senioren sich in den letzten 17 Jahren um 52,4% zugenommen hat.
Die Frage einer Besucherin „Was macht die Politik?“ Lässt sich nur so beantworten, man musss die Probleme ansprechen und dies tut die Senioren-Union. Klaus-Robert Jünemann berichtete von seinem im Auftrag der Senioren-Union geführten Gespräch mit Minister Jens Spahn. Es mangelt seitens der Bundesregierung nicht an Geld sondern die Strukturen müssen sich ändern. Die senioren-Union wird sich darum bemühen einen einheitlichen Mindest Pflegekraftschlüssel auf den Weg zu bringen, der das Verhältnis Pflegekraft und der zu Pflegenden verringert.
Im Übrigen hatte die CDU-Fraktion in der Hochheimer Stadtverordnetenversammlung das Thema Pflege bereits 2014 angesprochen und den Neubau einer Senioreneinrichtung in der 5. Generation auf den Weg gebracht. Wir bedauern, dass das Antoniushaus nach fast 4 Jahren den Bau der Einrichtung nicht durchführt und ein neuer Betreiber gesucht werden muss. Es ist für uns ein schwacher Trost, dass das DRK jetzt als Lückenbüser einspringen soll, da dadurch viel Zeit ins Land gegangen ist. Sowohl die damalige Planung für die Einrichtung durch Änderungen nicht mehr machbar ist, als auch für das DRK die Kosten davon gelaufen sind bleibt ein Fragezeichen. Wir hoffen aber für die Senioren in Hochheim dass das Projekt realisiert werden kann.

Georg G. Michel

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